Häutungsprobleme bei Vogelspinnen
Am 15. November 2005 mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass eines unserer Jungtiere (Körperlange zirka 3 cm) der Gattung Poecilotheria fasciata ein ernsthaftes Problem mit der Häutung hatte.
Sie blieb mit den hinteren 4 Laufbeinen und dem linken Pedipalpus in der Haut "stecken". Die Exuvie war schon sehr trocken, was darauf schliessen liess, dass die unvollständig vollzogene Häutung in der vorigen Nacht passiert sein musste. Die arme Vogelspinne war somit zur Unbeweglichkeit verdammt und würde ohne fremde Hilfe niemals überleben können.
Ein Herausschlüpfen aus der Haut erschien uns in diesem Zustand ausgeschlossen. Wir fingen an, im Internet nach Informationen über Beschreibungen solcher Probleme und dementsprechende Lösungsvorschläge zu suchen, wurden aber leider nicht fündig.
Der Versuch, mit einer Pinzette leicht an der Exuvie zu ziehen, die zu diesem Zeitpunkt noch immer an der Vogelspinne hing, schlug fehl.
Obwohl dies sehr brutal klingt und grosse Überwindung gekostet hat, schnitten wir schweren Herzens mit einer feinen Schere die 4 hinteren Laufbeine und den linken Pedipalpus ab.
So blieb sie dann vor ihrer Behausung liegen und wir hatten keine Ahnung, ob sie diesen harten "Eingriff" nun überlebt würde oder nicht...
Am 16. November 2005 wollten wir am Morgen nach unserem "Patienten" sehen und musste feststellen, dass die Vogelspinne in ihre Behausung gekrochen war. Diese Aktion musste für sie vermutlich mit grossem Aufwand verbunden gewesen sein, denn es war eine Korkröhre, welche die Eingangsöffnung oben hatte. Aber immerhin, sie hatte sich bewegt, und dies machte uns zunehmends Mut.
In den darauf folgenden Tagen wurde das Terrarium täglich kontrolliert. Standortveränderungen der Poecilotheria fasciata konnten im Verlauf dieser Zeit praktisch keine verzeichnet werden, was uns nicht gerade froh stimmte.
Nach zirka 2 Wochen versuchten wir die Vogelspinne erstmals unter Aufsicht wieder mit einer kleinen Grille zu füttern. Die Spinnen machte aber keinerlei Anstalten, sich zum Jagen aufzuraffen, was im gesunden Zustand vermutlich sofort passiert wäre. Sie blieb bewegungslos in ihrer Wohnhöhle, während die Grille draussen munter umher spazierte.
Also entfernten wir die Grille vorsichtshalber wieder. Ansonsten kann es passieren, dass die eventuell nach Tagen ausgehungerte Grille eine schwache Vogelspinne anfrisst, was wiederum zum Tode der Spinne führen kann.
Der Versuch die Vogelspinne zu füttern wurde von uns in Abständen immer wieder wiederholt. Wir setzten die Grille sogar (nach Entfernen mehrer Beine) direkt in die Wohnröhre, um der Poecilotheria fasciata das Packen der Beute zu erleichtern. Doch nichts passierte.....
Sie konnte sich ohne die hinteren Laufbeine einfach nicht schnell genug bewegen, das Abdomen wurde regelrecht hinterhergeschleift. Es war bitter, das Leiden dieses Tieres mitansehen zu müssen.
Zur besseren Beobachtung habe wir sie dann in eine Heimchendose mit leicht feuchtem Haushaltpapier umgesiedelt.
Da sie bis zum 28. Januar 2006 noch immer nichts gefressen hatte (mehr als 2 Monate), was für ein Jungtier in dieser Grösse eine sehr lange "Fastenzeit" ist, haben wir uns ernsthaft überlegt, dem Leiden ein Ende zu bereiten und sie in die Tiefkühltruhe zu legen.
Gott sei dank haben wir diesen Schritt nicht getan, denn am 30. Januar hat sich die Vogelspinne ohne zwischenzeitliche Nahrungsaufnahme erneut gehäutet. Die fehlenden Beine sowie Pedipalpus sind, obwohl noch sehr abgemagert (siehe Fotos), wieder vorhanden.
Bild 1
Bild 2
Die obigen Bilder zeigen die Poecilotheria fasciata kurz nach der nächtlichen Häutung vom 30. Januar 2006. Sehr gut an der hellen Farbe sind die "neuen" nachgewachsenen Laufbeine sowie linker Pedipalpus zu erkennen. Es fällt sofort auf, dass die neuen Beine sehr mager und vermutlich noch ein wenig "trainingsbedürftig" sind.
Bild 3
Bild 4
Diese Fotos wurden am 30. Januar 2006 abends geschossen. Es ist nun schon eine deutliche Veränderung der Farbe an den Beinen zu ekennen. Auch scheinen die Beine schon etwas kräftiger geworden zu sein. Dennoch bewegt sich die Vogelspinne mit den Hinterbeinen noch sehr staksig und schwächlich, was aber sicherlich auch mit der noch nicht lange zurückliegenden Häutung zu tun hat.
Mit einer Fütterung werden wir sicherlich (obwohl es schwer fällt) noch eine Woche zuwarten müssen, damit die Poecilotheria fasciata genug Zeit hat sich zu stabilisieren.
Grosse Freude!!
Am 05.02.2006 hat die Poecilotheria fasciata endlich ihre erste Grille "verspeist".
Es macht den Anschein, als wäre sie soweit über den Berg...
Es ist nun zirka einen Monat her, seitdem die Poecilotheria fasciata ihre erste Grille gefressen hat. In der Zwischenzeit konnten wir ihr wöchentlich bis zu zwei mittelgrossen Grillen verfüttern, die sie jeweils kurz nach der Darreichung überwältigte. Sie scheint richtigen Heisshunger zu haben, was uns logischerweise sehr freute...
Auf den folgenden Bildern könnt Ihr die bis dato stattgefundenen Veränderungen erkennen.
Farblich hat sie sich seit Bild 4 vom 30. Januar 2006 nicht mehr stark verändert. Auch die Hinterbeine scheinen noch nicht sehr viel kräftger geworden zu sein.
Uns fällt jedoch auf, dass sie die neuen Hinterbeine doch schon zum Abstützen des Körpers und zum Laufen gebraucht und diese nicht mehr wie anfangs praktisch nachschleift.
Vor allem das Abdomen hat durch die häufige Nahrungsaufnahme merklich zugenommen.
Bild 5
Bild 6
Bild 7
Wir haben nun den 05. Feruar 2007 und die Vogelspinne hat sich in der Zwischenzeit bereits wieder mehrfach gehäutet.
Sie erfreut sich bester Gesundheit und hat die ganzen Strapazen anscheinend sehr gut überstanden.
Letzte Änderung
Samstag, 15. Dezember 2007
SPIDERCITY
